Als Mitglied des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im Deutschen Bundestag werde ich vom 13. – 17.Juni 2011 mit einer Ausschussdelegation Algerien, Marokko und die Westsahara besuchen.
Bei der fünftägigen Reise stehen verschiedene Aspekte im Fokus: Die Auseinandersetzung um das Gebiet der Westsahara und das Leben der Menschen in den unwirtlichen Flüchtlingslagern von Tindouf (Algerien), sowie die sehr prekäre Menschenrechtslage in dieser Region. Neben Gesprächen mit Vertretern der Deutschen Botschaft in Algerien und Marokko und hiesigen Parlamentariern und Journalisten sind Treffen im UNHCR-Camp in Tandouf mit sahrauischen Politikern von POLISARIO sowie der Besuch von lokalen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Gemeindezentren geplant.
Grundsätzlich begrüße ich es als FDP-Bundestagsabgeordneter ausdrücklich, dass wir als parlamentarischer Ausschuss uns mit der Menschenrechtslage in der Westsahara beschäftigen. Leider kommt der Westsahara-Konflikt auch in Deutschland viel zu wenig in der medialen Betrachtungsweise vor.
Die Westsahara-Problematik ist eine zentrale Frage für die Zukunft Marokkos und der gesamten Region von Algerien bis Mauretanien. Sie bindet große militärische Ressourcen, belastet die Beziehungen zwischen Marokko und Algerien und steht der Kooperation und Entwicklung im Maghreb entgegen.
Der Konflikt existiert schon seit vielen Jahrzehnten. Um ihn besser verstehen zu können, lohnt ein Blick in die Entstehungsgeschichte des Konflikts. Seit Mitte der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurde Spanien wiederholt von der UN aufgefordert, die Westsahara in die Unabhängigkeit zu entlassen. Parallel dazu gründete sich die sahrauische Befreiungsfront Frente POLISARIO, die für eine politische Unabhängigkeit der Westsahara kämpfte. Nach dem Tod Francos 1975 zogen die Spanier ab, und Mauretanien und Marokko besetzte den Großteil des Gebiets der Westsahara. 1976 erklärte Marokko die Annexion der nördlichen zwei Drittel des Westsahara-Gebietes und 1979 des restlichen Territoriums, nachdem sich Mauretanien aus dem Gebiet zurückgezogen hatte. Diese Annexionen wurden von den Vereinten Nationen nicht anerkannt. Ebenso wenig wurden ohne die Abhaltung des von den Vereinten Nationen geforderten Referendums die Ansprüche der Demokratischen Arabischen Republik Sahara auf das Gebiet der Westsahara anerkannt.
Zwar wurde 1991 eine Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Marokko und der POLISARIO geschlossen, aber auch dies reichte nicht, um das geforderte Referendum abzuhalten. Daher leben bis heute etwa 100.000 Sahrauis in Flüchtlingslagern nahe der Stadt Tindouf in der algerischen Sahara. Hinzu kommt, dass das Gebiet von Westsahara aktuell durch eine befestigte und verminte Grenzanlage geteilt ist, die von Marokko entlang der Waffenstillstandslinie errichtet wurde. Vor diesem Hintergrund scheint eine kurzfristige Lösung des Westsahara-Konflikts kaum realistisch. Trotz aller Bemühungen sowohl der Bundesregierung als auch der internationalen Gemeinschaft war es bislang nicht möglich, die Konfliktparteien zu einer einvernehmlichen und friedlichen Lösung zu bewegen.
Nach meiner persönlichen Auffassung liegt der Schlüssel zur Lösung dieses Konflikts in einer erfolgreichen politischen Vermittlung durch die Vereinten Nationen. Als christlich-liberale Koalition setzen wir daher weiterhin auf Bemühungen der Vereinten Nationen, im Einverständnis zwischen den Beteiligten und auf Grundlage bestehender UN-Resolutionen, eine friedliche Lösung des Westsahara-Konflikts zu finden.
Unabhängig vom völkerrechtlichen Status ist jedoch eines klar: Auch auf dem Gebiet der Westsahara müssen die Menschenrechte stärker geachtet und verteidigt werden. Es darf nicht sein dass die Augen vor der Menschenrechtslage verschlossen werden.


