In der letzten Sitzungswoche wurde im Deutschen Bundestag der Antrag der SPD zur Abschaffung der Optionspflicht gestellt. Ich habe in einer namentlichen Abstimmung diesem Antrag nicht zugestimmt.
Der Grund liegt nicht darin, dass ich Gegner einer Mehrfachstaatsangehörigkeit wäre. Im Gegenteil. Angesichts der jüngsten Entwicklungen bei den aktuellen Einbürgerungen und der hohen Zahl von Einbürgerungen unter Inkaufnahme der Mehrfachstaatsangehörigkeit glaube ich, dass ein Grundsatz vom Verbot der doppelten Staatsangehörigkeit nicht zielführend wäre.
Aber dennoch halte ich das Verhalten der SPD scheinheilig. Gerade jetzt kommt die SPD mit einem solchen Antrag. Angeblich wolle man das 50. Jahr des deutsch- türkischen Anwerbeabkommens und die damit verbundene Einwanderung von Türken nach Deutschland honorieren. Wie scheinheilig ist das? In der Regierungsverantwortung hat die Sozialdemokratie gar nichts in diese Richtung getan. Vielmehr hat man sogar doppelte Staatsangehörigkeiten gerade bei Türken bekämpft. Man hat dafür gesorgt, dass bei nachträglichen Einbürgerungen in die türkische Staatsangehörigkeit die deutsche Staatsangehörigkeit verloren geht. Diese Scheinheiligkeit der SPD habe ich auch angemahnt. Dr. Steinmeier sagte in seiner Rede, man dürfe im Zusammenhang mit der doppelten Staatsangehörigkeit nicht von Loyalitätskonflikten sprechen, da es diese nicht gebe. Im Antrag der SPD ist aber die Rede von Loyalitätskonflikten. Wörtlich steht es da. Gabriel hat unwidersprochen behauptet, dass man nicht so sehr über dieses Thema reden sollte, sondern umdenken müssen. Die SPD dürfe nicht so paternalistisch sein. Da hat er recht.
Wir haben es als Liberale geschafft, dass das Optionsmodell evaluiert wird. Wir machen uns über dieses Thema Gedanken. Sollte es sowohl in formeller als auch in materieller Hinsicht Unzumutbarkeiten geben, müssen wir die gesetzliche Regelung zum Optionsmodell anpassen.
Wir brauchen auch eine Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts. Wir brauchen die Turboeinbürgerung. Warum soll ein Einbürgerungskandidat sich an starre Fristen halten. Es wäre besser, bereits Integrierte sofort ohne bürokratische Hürden einzubürgern.
Die Einbürgerungsbehörden müssen zu Dienstleistern weiter entwickelt werden. Bisher fehlt das völlig.


